2011 Oktober

100 Jahre nobelpreiswürdige Forschung zwischen Physik und Chemie – Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft

Friday, 21st October 2011Veranstaltungen
Am 28. Oktober 1911 wurde das heutige Fritz-Haber-Institut in Berlin gegründet. An der renommierten Forschungseinrichtung, die 1912 in ihr erstes, heute noch bestehendes Gebäude in Berlin-Dahlem einzog, wirkten im Laufe der langen Geschichte sieben Nobelpreisträger, zuletzt Gerhard Ertl (Chemie 2007). Die Geschichte des Instituts begann 1911 als Institut der jungen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die als neuartiger Verein die Grundlagenforschung fördern sollte. Aus ihr ging 1948 die heutige Max-Planck-Gesellschaft hervor, zu deren Forschungsverbund das Institut seit 1953 gehört. Es ist damit das älteste Max-Planck-Institut. Damals wie heute widmet es sich der physikalischen Chemie. Vom 26. bis 28. Oktober 2011 lädt das Institut Freunde und Kollegen ein, sein Jubiläum mit einem vielfältigen wissenschaftlichen und kulturellen Programm zu feiern. Höhepunkt ist der Festakt mit Vorträgen Fritz Sterns und Gerhard Ertls am 28.10.11 im Henry-Ford-Bau der Freien Universität.

Zum Jubiläum richtet das Institut den Blick auf seine aktuellen Arbeiten und seine vielfältige Geschichte. Namhafte Forscher wie die Physiker Max von Laue, Herbert Freundlich oder Michael Polanyi und nicht weniger als sieben Nobelpreisträger waren bzw. sind am Institut tätig. Zu den wissenschaftlichen Erfolgen gehörten die Weiterentwicklung des Elektronenmikroskops durch Ernst Ruska seit den 1950er Jahren oder Erkenntnisse über Katalyse-vorgänge, angefangen vom Haber-Bosch-Verfahren (1908) bis zu den nobelpreiswürdigen Forschungen Ertls.

 Aufarbeitung der Institutsgeschichte

Um seine bislang nur in Teilen bekannte Vergangenheit komplett aufzuarbeiten, hat das Institut 2008 ein wissenschaftshistorisches Forschungsprojekt initiiert, dessen Ergebnisse in einer umfangreichen Publikation pünktlich zum Jubiläum im Verlag de Gruyter erscheinen. Besonders für die 1930er und -40er Jahre konnte die vierköpfige Forschergruppe gravierende Wissenslücken schließen.

Nach der von Fritz Haber geprägten Gründungsphase erfuhr das Institut ab 1933 einschneidende Umstrukturierungen, denn mit der Vertreibung der jüdischen Wissenschaftler gingen wichtige Arbeitsschwerpunkte verloren. Auch der jüdischstämmige Fritz Haber legte auf Druck der nationalsozialis-tischen Gesetze sein Amt nieder und starb wenig später. In Erinnerung daran trägt das Institut seit 1952 seinen Namen. Es erinnert damit aber auch an ein dunkles Kapitel seiner Geschichte, denn Haber war während des Ersten Weltkriegs maßgeblich für die Entwicklung von Giftgaskampfstoffen verantwortlich.

Die gegenwärtige Arbeit des Instituts ist durch intensive internationale Kooperationen im Bereich der theoretischen und praktischen physikalischen Chemie gekennzeichnet. Das weite Netzwerk von Fachkollegen trifft sich am 26. und 27.10. zu einem wissenschaftlichen Symposium, das aktuelle Themen der Oberflächen- und Molekülforschung thematisiert.

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Festakt und Uraufführungen

Den Höhepunkt der Jubiläumstage markiert der Festakt am 28.10., zu dem unter anderen Bundesministerin Annette Schavan und der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner Grußworte sprechen werden. Als Ehrengast und Festredner kommt der Historiker Fritz Stern aus New York, der als Patensohn Habers dem Institut persönlich verbunden ist. Der zweite Festvortrag Gerhard Ertls skizziert die Geschichte des Instituts mit Blick auf dessen zentralen Forschungsbereich, die Katalyse. Im Anschluss lädt das Institut seine Gäste zum „Open House“ auf den Campus und in die Labore ein.

Dass die Wissenschaft auch der Kunst Anregungen liefern kann, zeigt das kulturelle Programm. Im Rahmen des Festakts findet die Uraufführung einer Klavierkomposition des Physikers Herbert Freundlich statt, der zwischen 1916 und 1933 am Institut wirkte. Die schillernde Biografie des Gründungsdirektors Fritz Haber hat jüngst Chrétien Schouteten in einem Theaterstück verarbeitet. Die Freie Berliner Gruppe „Theater 89“ wird das Stück „Der Chemiker“ am 28.10. in einer szenischen Lesung uraufführen.

 
Programm im Überblick
 
Veranstaltungen für geladene Gäste
 
26./27.10. |  9-17 Uhr    Wissenschaftliches Symposium
Current Topics in Interface and Molecular Science.
Ort: Henry-Ford-Bau der FU/Max-Kade-Auditorium, Garystr. 35, Berlin-Dahlem
 
28.10.  |  9 Uhr       Festakt
Festvorträge von Fritz Stern und Gerhard Ertl
Ort: Henry-Ford-Bau der FU/Max-Kade-Auditorium, Garystr. 35, Berlin-Dahlem
 
28.10.  |   14 – 19 Uhr        Open House
Labor- und Campusführungen, Jazz mit der United Big Band des Arndt-Gymnasiums Berlin-Dahlem
Ort: Campus des Fritz-Haber-Instituts, Faradayweg 4-6, 14195 Berlin
 
Öffentliche Veranstaltungen
 
26.10.       | 17.45 Uhr    Buchvorstellung (in englischer Sprache):
„One Hundred Years at the Intersection of Chemistry and Physics: The Fritz Haber Institute of the Max Planck Society 1911-2011.“
Ort: Henry-Ford-Bau der FU/Max-Kade-Auditorium, Garystr. 35, Berlin-Dahlem
 
28.10.    |  17.30 Uhr       Szenische Lesung von ‚Theater 89’:
Chrétien Schouteten: Der „Chemiker“
April 1935. Max Planck richtet eine Gedenkfeier für den Nobelpreisträger Fritz Haber aus, der 1933 Deutschland verlassen musste. Wer war Fritz Haber? Ein genialer Wissenschaftler, ein deutscher Patriot mit jüdischen Wurzeln, der bei seiner Suche nach Integration radikale Wege beschritt?
Ort: Fritz-Haber-Institut, Faradayweg 4-6, 14195 Berlin, Hörsaal/Altbau
 
Mehr Informationen: www.fhi-berlin.mpg.de/centenary

Ihre Akkreditierung zum Festakt und zu anderen Veranstaltungen des Jubiläums nehmen wir gern entgegen.

Dr. Susanne Kiewitz
Max-Planck-Gesellschaft
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Berlin
Telefon +49 (0)30 4990 5654
E-Mail susanne.kiewitz@gv.mpg.de
 
Beatrix Wieczorek
Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon +49 (0)30 8413 3152
E-Mail presse@fhi-berlin.mpg.de