2011 Dezember

Gerhard Ertl Lecture Award 2011 verliehen

Am 8. Dezember fand an der Technischen Universität Berlin die Verleihung des diesjährigen, vierten Gerhard Ertl Lecture Award statt. Preisträger war der amerikanische Chemiker und Nobelpreisträger Roald Hoffmann von der Cornell University in Ithaca.

Professor Gerard Meijer übergibt die Urkunde

 

Roald Hoffmann ist ein international renommierter Chemiker. 1981 bekam er gemeinsam mit dem Japaner Kenichi Fukui den Nobelpreis dafür, dass er die Quantenmechanik und die Symmetrieeigenschaften von Molekülen zur Vorhersage chemischer Reaktionen nutzte. Darüber hinaus erhielt Hoffmann zahlreiche weitere Auszeichnungen und Ehrendoktortitel. Neben seiner Rolle in der Forschung ist Hoffmann dafür bekannt, öffentlich für ethisches Handeln in der Wissenschaft einzutreten. Zudem machte er sich einen Namen als Autor von Bühnenstücken und Gedichten. Kostproben wie auch einen ausführlichen Lebenslauf gibt es auf seiner Website. Seit 1965 arbeitet und lehrt er an der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York (Quelle: Wikipedia).

Der  Preis wird jährlich von einer Jury vergeben, die aus Vertretern der drei Berliner Universitäten, des Fritz-Haber-Instituts und der BASF SE besteht, und von der BASF finanziell ausgestattet wird. In seiner Laudatio auf den Preisträger ging Dr. Friedrich Seitz auf die zahlreichen Leistungen Hoffmanns im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere ein.

Ein interessantes Detail seiner Ausführungen war die Mitteilung, dass die BASF gemeinsam mit dem Exzellenzcluster UniCat auf dem Campus der Technischen Universität ein neues Labor errichten wird (detaillierte Informationen finden Sie hier).

Roald Hoffmann erläuterte in seinem Vortrag mit dem Titel „The Chemical Imagination at Work in Very Tight Places“, worum es in dem Forschungsgebiet geht, dem er sich seit einigen Jahren verschrieben hat: dem Verhalten von Molekülen unter hohen Drücken. Dabei hob er gleich zu Anfang hervor, er sei der erste Preisträger in dieser Reihe, der nichts mit Katalyse, dem Forschungsgebiet des Namensgebers Gerhard Ertl, zu tun habe. Auf die Frage, was ihn dennoch mit Ertl und dessen Forschung verbinde, antwortete er, er sei fasziniert von Ertls Arbeit. Außerdem sei er besonders froh gewesen, dass der Physiker Ertl den Nobelpreis für Chemie erhalten habe, denn er selbst verwende große Anstrengungen darauf, die beiden Disziplinen einander näher zu bringen und stärker miteinander zu vernetzen. Das betreffe auch die Fachsprache und die Sichtweise auf das jeweilige Fachgebiet. Physiker täten gut daran, ihren Forschungsgegenstand mit den Augen des Chemikers zu betrachten und umgekehrt.

Der Hörsaal im Chemiegebäude der Technischen Universität reichte kaum aus, um den Andrang an Zuhörern zu bewältigen. Einige mussten stehen bleiben oder auf der Treppe sitzen. Im Anschluss an Vorlesung und Preisverleihung fand im Foyer ein Stehempfang statt, bei dem Hoffmann Glückwünsche entgegennahm und zahlreichen Interessierten Rede und Antwort stand.

 

Zum Weiterlesen:

Feng, Grochala et al.: „Structures and Potential Superconductivity in SiH4 at High Pressure: En Route to “Metallic Hydrogen”, PRL 96, 017006 (2006) (http://prl.aps.org/abstract/PRL/v96/i1/e017006)

Grochala, Hoffmann et al.: „The Chemical Imagination at Work in Very Tight Places“, Angewandte Chemie International Edition 46 (20), 3620-3642 (2007) (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.200602485/full)