2015 September

Symposium „100 Jahre Giftgaskrieg – Forschung, Einsatz, Folgen chemischer Massenvernichtungswaffen“ am 21. und 22. April 2015

Monday, 14th September 2015Veranstaltungen

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Am 22. April 1915 setzte das deutsche Militär an der Front bei Ypern (Belgien) 167 Tonnen Chlorgas bei einem Blasangriff gegen die britischen und französischen Truppen ein. Dieser erste Großeinsatz chemischer Massenvernichtungswaffen, der schätzungsweise 4000 Gasverletzte und 1000 Tote zur Folge hatte, markiert eine welthistorische Zäsur. Die Vorbereitung und die Durchführung des Angriffs wurden auf wissenschaftlicher Seite maßgeblich durch Fritz Haber, den Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem betrieben, der sein Institut während des Ersten Weltkriegs zu einem Zentrum der Entwicklung chemischer Kampfstoffe machte.

Der hundertste Jahrestag des ersten Giftgasangriffs wurde vom Fritz-Haber-Institut der MPG (Bretislav Friedrich und Martin Wolf) – der Nachfolgeinstitution des Haberschen Instituts –  gemeinsam mit  dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (Dieter Hoffmann, Jürgen Renn, and Florian Schmaltz) zum Anlass genommen, sich mit der bis in die Gegenwart reichenden Geschichte der Forschung über chemische Massenvernichtungwaffen, ihrem Einsatz und den zerstörerischen Folgen auseinanderzusetzen. Die Veranstaltung verband die historische Aufarbeitung mit dem Gedenkens anlässlich des Jahrestags 2015. Der Bogen reichte dabei von der Entwicklung und dem Einsatz von Giftgasen im Ersten Weltkrieg und speziell den Forschungen von Haber und seinem Institut in Deutschland, über die Entwicklung und den Einsatz chemischer Massenvernichtungswaffen in den Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg  bis in die Gegenwart. Dabei wurden auch völkerrechtliche, politische und ethische Fragen der Forschung über chemische Waffen und ihren Einsatz erörtert. Darüber hinaus wurden Probleme der Rüstungskontrolle sowie der ökologischen Langzeitfolgen von Rüstungsaltlasten und die „Dual-Use-Problematik“ der Verwendung von Forschungsergebnissen in zivilen und militärischen Kontexten diskutiert.

Vorträge und Sprecher

Abschließender Höhepunkt war die Gedenkveranstaltung, an der auch Ghiuslain D’hoop, der Botschafter Belgiens in der Bundesrepublik Deutschland, teilnahm und über das bis heute nachwirkende Trauma des ersten Gaseinsatzes bei Ypern berichtete. Gerhard Ertl, Nobelpreisträger für Chemie 2007 und Emeritus des Fritz-Haber-Instituts, sprach über die Rolle des Instituts bei der Entwicklung des Giftgases unter seinem Gründungsdirektor Fritz Haber. Anschließend fasste Jürgen Renn vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte die Vorträge und Ergebnisse des vorangegangenen Symposiums zusammen. Den Hauptvortrag hielt Paul Walker, Direktor des Environmental Security and Sustainability Programme des Internationalen Grünen Kreuzes und Preisträger des Right Livelihood Award 2013. Er sprach über seine langjährigen Bemühungen um ein Verbot chemischer Waffen und seine Erfahrungen bei deren Beseitigung, zum Beispiel in Russland und Syrien.

Für den musikalischen Rahmen sorgte der Dirigent und Komponist Thomas Henning am Klavier. Seine Vertonung von Wilfred Owens Gedicht „Dulce et decorum est“ wurde in englischer (Vernon Kirk, Tenor) und deutscher Sprache (Ralf Lukas, Bariton) vorgetragen und berührte das Publikum tief. Anlass zum Gedenken und Besinnen boten eine Schweigeminute und Auszüge aus dem „War Requiem“ von Benjamin Britten.

Dulce et decorum est

Dulce et decorum est

Gerhard Ertl

Paul Walker